Gleichstellung weiter denken
RÜCKBLICK: "ALLEINERZIEHEND DOPPELT GEFORDERT. UNTERSTÜTZUNG, VERNETZUNG UND HANDLUNGSBEDARF FÜR BERLIN"

Am 30. Juni 2010 veranstaltete die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen von 08.30 - 17.00 Uhr die Fachtagung "ALLEIN ERZIEHEND - DOPPELT GEFORDERT. Unterstützung, Vernetzung und Handlungsbedarf für Berlin" im Umweltforum Berlin. Unter dem Motto Gleichstellung weiter denken stehen im Jahr 2010 Alleinerziehende im Fokus des Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramms (GPR). Die Fachtagung setzte sich zum Ziel, die weiterhin bestehenden strukturellen Hürden für Alleinerziehende aus interdisziplinärer Sicht zu diskutieren und praxisorientierte Lösungsansätze für die Berliner Ebene zu entwickeln. Die insgesamt 160 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Senats- und Bezirksverwaltungen und Jobcentern, sowie Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen, Akteurinnen und Akteure aus Politik, Verbänden und Netzwerken traten in einen konstruktiven Austausch über Unterstützungsmöglichkeiten, Verbesserungen in der Praxis und eine nachhaltige Vernetzung.

Der Vormittag der Tagung diente der Bestandsaufnahme zur Situation der Alleinerziehenden in Berlin und am Arbeitsmarkt. Die Moderatorin Elisabeth Niejahr, Die ZEIT, begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und übergab das Wort an den Senator für Wirtschaft, Technologie und Frauen Harald Wolf, der in seiner Eröffnungsrede. die Heterogenität der Gruppe der Alleinerziehenden beleuchtete und auf die besondere Situation Alleinerziehender in Berlin einging. Der sich anschließende Beitrag "Alleinerziehen - Bedingungen, Ressourcen und Dynamiken einer familialen Lebensform" von Sabina Schutter vom Deutschen Jugendinstitut e.V. in München führte die differenzierte Sicht auf die Gruppe der Alleinerziehenden weiter aus und näherte sich einer gesellschaftspolitischen und rechtlichen Definition des Begriffs "alleinerziehend" an.

Eine quantitative Auswertung der wirtschaftlichen Situation Alleinerziehender bot der Vortrag "Alleinerziehende in der Grundsicherung" von Torsten Lietzmann vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) aus Nürnberg. Im Mittelpunkt des Beitrags standen zwei zentrale Fragen: Warum sind Alleinerziehende besonders häufig und besonders lange auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen? Welche möglichen Ansatzpunkte gibt es, um die Situation zu verbessern? Ergänzt wurden diese Analysen durch die Präsentation eines Best-Practice-Beispieles: Klaus Burkholz, Leiter des Familien-Projektes in Dortmund, zeigte in seinem Beitrag "Familienbüros - Bürgernahe Service- und Informationsstellen der Stadt Dortmund" exemplarisch die Chancen und Hürden eines kooperativen Modells auf kommunaler Ebene auf.

Nach der Mittagspause, die den Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen ersten Raum für Diskussionen und Vernetzung gab, fanden sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in kleine Gruppen zu 13 thematischen Wissenscafés zusammen. Christian Raschke ("Vielfalt Gestalten") entwickelte für diese Wissenscafés das Konzept zur Erarbeitung von Forderungen an die Politik und qualifizierte in zwei Schulungen die engagierten Moderatorinnen aus der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen und von freien Trägern. Die Themen der Wissenscafés setzten an den strukturellen Hürden für Alleinerziehende an und boten ein breites Spektrum: Wege aus Hartz IV, Vernetzung der Angebote für Alleinerziehende, Kinderbetreuung - flexibel und bedarfsgerecht, Modellamt Familienunterstützende Leistungen?, Unterstützung im Kiez, Keine Zeit nirgends. Ziel der bewusst interdisziplinären Zusammensetzung der Wissenscafés am Nachmittag war es, die Situation und Bedarfe Alleinerziehender zu analysieren, neue Blickwinkel zu ermöglichen und gemeinsame, konkrete Handlungsempfehlungen für die Berliner Ebene zu entwickeln.

Diese Handlungsempfehlungen wurden den Podiumsgästen der sich anschließenden Perspektivdiskussion vorgestellt. Almuth Nehring-Venus, Staatssekretärin für Wirtschaft, Technologie und Frauen, Kirstin Fussan von der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Dagmar Pohle, Bezirksbürgermeisterin von Marzahn-Hellersdorf, Peter Ruhenstroth-Bauer, Vorsitzender des Berliner Beirats für Familienfragen und Christiane Luipold, Leiterin der Stabsstelle für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, Regionaldirektion Berlin-Brandenburg von der Bundesagentur für Arbeit, kommentierten und diskutierten gemeinsam mit der Moderatorin und dem Publikum die Beiträge des Tages und entwickelten Perspektiven für Berlin.

Die Diskussion der Situation und Handlungsbedarfe für Alleinerziehende in Berlin ist mit der Fachtagung nicht beendet. Auf unserer Website steht Ihnen ein Gästebuch für Ihre Kommentare, Meinungen und Anregungen zur Fachtagung und zum Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramm zur Verfügung. Diskutieren Sie mit! Wir freuen uns auf Ihre Beiträge! Zum Gästebuch

Die Präsentationen der Fachtagung und die Handlungsempfehlungen aus den Wissenscafés finden Sie hier