RÜCKBLICK: FACHTAGUNG "GOLD FÜR GERECHTIGKEIT! STRATEGIEN FÜR GESCHLECHTERGERECHTE PARTIZIPATION UND FÖRDERUNG IM BERLINER SPORT" AM 18. MAI 2011 - SEELENBINDER-HALLE - VELODROM
Am Mittwoch, den 18. Mai 2011 lud die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen von 09.30 – 17.00 Uhr ein zur
Fachtagung „Gold für Gerechtigkeit! Strategien für geschlechtergerechte Partizipation und Förderung im Berliner Sport“
im Velodrom Berlin.
Ziel der Fachtagung war es, gemeinsam einen genaueren Blick auf die Berliner Praxis zu werfen: Wie gerecht ist der Berliner Sport in
den Bereichen Partizipation, Zugangsvoraussetzungen und Förderung insbesondere von Mädchen und Frauen im aktiven Sport und in den
Institutionen? Neben der Vorstellung von erfolgreichen Beispielen aus der Praxis wurden in thematischen Workshops Erfahrungen ausgetauscht,
Handlungsbedarfe diskutiert und gemeinsam Perspektiven für einen gerechten und diversen Sport in Berlin entwickelt, um so neue Impulse
für die Diskussion in der Berliner (Sport-) öffentlichkeit zu setzen.
Unter der Moderation von Andreas Ulrich, Sportredakteur des rbb, nutzten rund 150 Teilnehmende aus Politik und Verwaltung sowie aus dem
verbandlichen, individuellen, kommerziellen und gesundheitlichen Sports die Fachtagung, um gemeinsame Schnittstellen aufzuzeigen, zu
nutzen und Vernetzung untereinander zu ermöglichen.
Sportlich eröffnet wurde die Fachtagung von den Magic Dancers, einer Showtanz-Gruppe aus Bernau.
Staatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt
begrüßte im Anschluss als Vertreterin der Veranstalterin, der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen, die anwesenden
Teilnehmenden und Referierenden. Die anstehende Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft und die damit einhergehende verstärkte öffentliche
Aufmerksamkeit nahm sie in ihrer Begrüßungsrede als Ausgangspunkt, um Hürden für Frauen aufzuzeigen, aktiv am Sport und somit in der
Gesellschaft teilzuhaben. Sie machte deutlich, dass zunehmende gesellschaftliche Teilhabe von Frauen und weiterer Gesellschaftsgruppen
auch zu einer Teilhabe an der symbolischen Repräsentanz unserer Gesellschaft führen muss. Zudem zeigte sie erste Steuerungsinstrumente
für Berlin auf, die die Weiterentwicklung der Geschlechtergerechtigkeit in Einklang mit den Gesetzlichkeiten des Sports ermöglichen.
Thomas Härtel,
Staatssekretär für Sport in der Senatsverwaltung für Inneres und Sport, schloss sich den Begrüßungsworten der Staatssekretärin Hartwig-
Tiedt an. Er begrüßte die Themensetzung der Fachtagung und die Diskussion um eine geschlechtergerechte Teilhabe im Berliner Sport. Er
gab einen Einblick in die immer noch bestehende Diskrepanz zwischen den bestehenden Aktionen, Initiativen und Projekten zur Gewinnung
von Frauen und Mädchen für den (Vereinsport) auf der einen Seite und der Realität ihrer Teilhabe in der Berliner Sportlandschaft auf
der anderen Seite. Doch er zeigte auch die Potenziale und Möglichkeiten, die eine verstärkte Teilhabe von Frauen aber auch von
Migrantinnen und Migranten für den Berliner Sport entfalten würde, auf.
Der Begrüßung folgte dann das erste Input-Referat von
Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper
unter dem Titel „Geschlechtergerechtigkeit im Berliner Sportgeschehen – Chancen und Möglichkeiten“. Auf Grundlage umfangreicher
Statistiken warf Prof. Dr. Doll-Tepper einen wissenschaftlichen Blick auf die Berliner Sportvereine und auf die internationale Ebene
beim IOC. Sie zeigte Entwicklungen bei den Sport treibenden Mitgliedern und Sportarten als auch bei der Positionenbesetzung in den
Vereinen/Komitees unter Berücksichtung des Gender-Aspektes auf. Als Herausforderungen für die Sportentwicklung im Landessportbund
sieht sie klar die Steigerung des Anteils von Mädchen und Frauen und von Männern im höheren Lebensalter in den Vereinen. Ihre
Zielsetzung geht somit über eine Frauenförderung hinaus und bezieht zudem die Partizipation von Menschen mit Migrationshintergrund
und von Menschen mit Behinderungen mit ein.
Nach der Kaffeepause, die intensiv für einen ersten Austausch unter den Teilnehmenden genutzt wurde und in der eine junge Fechterin
und ein junger Fechter der Poelchau Oberschule ihr Können präsentierten, gab
Dr. Gabriele Hiller,
Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin und stellvertretende Vorsitzende des Sportausschusses, unter dem Titel „Sport in der Berliner
Landespolitik – Sportpolitische Reflexionen von Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit“ einen überblick über die Partizipation
von Frauen in der Berliner Vereinslandschaft. Sie zog daraus den Schluss, dass die von der Sportpolitik vorgenommenen Anstrengungen
zur Verbesserung der Geschlechtergerechtigkeit im Sport nicht ausreichend sind, nicht zielgenau ausgerichtet sind und daher untersucht
werden müssen. Sie zeigte auf, dass es durchaus sportpolitische Zielsetzungen für Gendergerechtigkeit und Förderung von Frauen und
Mädchen in Berlin gibt, deren Umsetzung in die Praxis aber äußerst schwierig ist.
Bernd Holm,
Senatsverwaltung für Inneres und Sport, zeigte in seiner sich anschließenden Präsentation des „Leitbildes Sportmetropole Berlin“ eine
dieser sportpolitischen Zielsetzungen auf und klopfte die strategischen Ziele des Leitbildes als auch weitere sportrelevante rechtliche
Regelungen auf explizit gendergerechte Aspekte ab. Anhand von Statistiken gab er zudem einen Einblick in das Sportnutzungsverhalten der
Berlinerinnen und Berliner und zeigte zielgruppenorientierte Handlungsfelder auf.
Der nun folgende Bericht zur FIFA-Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft durch den Präsidenten des Berliner Fußball-Verbands
Bernd Schultz
und die Präsentation des grassroots Projektes „Discover Football“ durch
Johanna Small
und ihr Team gaben Einblicke in die Praxis zweier sehr unterschiedlicher Welten des Frauenfußballs.
Die ersten gewonnenen Eindrücke der Fachtagung wurden in der nun folgenden Mittagspause angeregt unter den Teilnehmenden diskutiert
und die Zeit zur Netzwerkbildung genutzt.
Der Nachmittag stand dann ganz im Zeichen des inhaltlichen Erfahrungs- und Ideenaustauschs in fünf thematischen Workshops:
SCHÖN & STARK…Geschlechter: Extreme & Balance
POTENTIALE…Gesundheit: Geld & Glück
ORGANISATION…Sportstättenvergabe: Konflikte & Gerechtigkeit
RESSOURCEN…Sportanlagen: Plan & Bau
TEILHABE…Integration: Strukturen & Kulturen
Die Expertinnen und Experten der Workshops diskutierten gemeinsam mit den Teilnehmenden Probleme und Lösungsansätze und fassten ihre
Ergebnisse, Anregungen und offenen Fragen
auf Moderationskarten zusammen, die im Empfangsbereich auf Pinwänden allen Teilnehmenden in der sich anschließenden Kaffeepause zugänglich
gemacht wurden. Die Seniorensportgruppe „Fitness und Selbstverteidigung“ im SC Berlin zeigte am Ende der Kaffeepause auf, wie Sport aktiv
bis ins Alter auch im Sinne der Gesundheitsprävention fortgeführt werden kann.
Gegen 16 Uhr lud Moderator Andreas Ulrich gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus den Workshops zu einer Zusammenfassung der Workshop-
Ergebnisse ein.
Dr. Gabriele Kämper,
Leiterin der Geschäftsstelle Gleichstellung in der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen wies im Anschluss als Resümee zur
Fachtagung auf einige der zentralen Probleme und erforderlichen Wege für die Zukunft hin. Eine Goldmedaille für Geschlechtergerechtigkeit
kann bisher sicherlich noch nicht verliehen werden, aber spannende Ansätze gibt es. Geschlecht ist weiterhin ein gesellschaftlicher
Konfliktstoff, der sich auch im Sport zeigt. Zusätzlich stellen Intersektionalität, Diversity und Vielfalt neue Herausforderungen an den
Sport. Gerechtigkeit bedarf der praktischen Erlebbarkeit, und das bedeutet vor allem: Geld, Einfluss, Trainingsstunden, Hallenzeiten: Der
Bedarf ist meist größer als das Angebot, es muss geteilt werden. Alte Rechte müssen auf den Prüfstand, neue Anliegen müssen ihre Chance
bekommen. Das geht nicht ohne Konflikte. Dafür bedarf es eindeutiger Regelungen und einer klaren Linie: Ungerechtigkeit darf keinen Heimvorteil
haben. Zudem betonte sie die große Bedeutung von Vernetzung und Austausch, wozu diese Fachtagung wie auch vorangegangene und zukünftige
Veranstaltungen im Rahmen des Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramms einluden und einladen werden.
Im Anschluss sorgten Wanja Saatkamp und Tanja Krone von den Maiden Monsters für einen rockigen Abschluss der Fachtagung. Der mit den Teilnehmenden
über den Tag hinweg entwickelte
Fan-Gesang
wurde gemeinsam lautstark zum Besten gegeben und bot einen schwungvollen übergang zu Wein und Gesprächen im Empfangsbereich des Velodroms.